Korsische Spezialitäten
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Korsika - nicht nur eine Insel
Diverses




Korsische Bio-Produkte


Vincensini & Söhne

Brücke zwischen Tradition und Fortschritt


Rund 30 km von Corte, tief versteckt in den Bergen der
Vallerustie in der Castagniccia liegt San Lurenzu.
Nur eine einzige schmale Straße führt zwischen den
wenigen, weit auseinander liegenden Häusern hindurch.
Ein verschlafenes Dorf mitten im Wald, so scheint es.
Und dennoch hat dieses Dorf eine ganz besondere
Bedeutung in Korsika.

Der Landwirt Vincensini in San Lurenzu ist der größte
Kastanienbauer der Insel und Vorreiter des ökologischen
Landbaus.
Der Kastanienanbau bestimmt das tägliche Leben der
Familie Vincensini. Hier wird die Begeisterung für die auf
Korsika fast schon mythische Kastanie ("Das Brot der Korsen") von Generation
zu Generation weitergegeben.

Seit über 40 Jahren engagiert sich der Familienbetrieb Jean Paul Vincensini &
Söhne im Wiederaufbau und der Weiterentwicklung der traditionellen
Edelkastanienkultur Korsikas, und seit einigen Jahren ist er das Objekt
besonderer Aufmerksamkeit.

Die Verbundenheit mit der Natur, seinem Land und dessen vielfältigem Potential
ließen ihn nicht nur alte Methoden und neue Produkte entdecken, sondern auch
neue und oft unkonventionelle Wege beschreiten: mit finanzieller Unterstützung
der EU und des französischen Staates stellte Vincensini seinen Betrieb
konsequent auf Bio-Produkte um und wurde damit zum Vorbild für biologische
Landwirtschaft in Korsika.
Nicht umsonst hat der Betrieb dafür das frz. Gütezeichen AB (agriculture
biologique) erhalten, das eine kontrollierte ununterbrochene Fabrikationskette
von der Ernte bis zum Verkauf garantiert.

Neu ist auch die komplette Verarbeitung vom Ernte- bis zum Endprodukt auf
einem Gelände. Das erspart den Zwischenhandel und minimiert die Kosten, die
perfekte Verflechtung von Ökologie und Ökonomie.

Konfitüren, Honig, Kastanienmehl, Kastanienkuchen und sogar Fleisch- und
Wurstwaren gehören zum Sortiment des umweltbewussten Landwirts.


Der Landwirtschaftsbetrieb der Familie umfasst
ein großes Gelände mit rund 100 Jahre alten
Kastanienbäumen und dichter Macchia.
Hinzu gepachtet wurden noch weitere 100 Hektar für
den Kastanienanbau, so dass heute Kastanienbäume
auf 200 Hektar Land eine Ernte von 120-150 t
Kastanien pro Jahr garantieren.



Die Ernte erfolgt auch heute noch von Hand.
Unwegsames Gelände und Steilhänge machen
den Einsatz von Maschinen und Motortransportmitteln
unmöglich, und für den Abtransport aus den höher
gelegenen, gebirgigen Regionen ist Vincensini, wie
alle Generationen vor ihm, auf seine Esel angewiesen.



Die Verarbeitung der Kastanien
erfolgt auf dem hofeigenen
Gelände, das für diese Zwecke
bestens ausgestattet ist. Nach
der Ernte werden sie zunächst
gesäubert, über Holzfeuer
getrocknet und schonend
geschält.
Eine Kalibriermaschine sortiert sie nach Größen:
die kleineren mit dem höheren Zuckergehalt werden
für Konfitüren verwendet, die größeren zu Mehl
gemahlen.
Weniger gute Exemplare - von Hand verlesen - sowie
die Schalen dienen später noch als Tierfutter.

Vincensini legt Wert darauf, dass das von ihm angebotene Fleisch von Tieren
stammt, die mit Kastanien gefüttert wurden.

Vincensinis hauseigene
Kastanienmühlen wurden
speziell nach seinen
Vorstellungen konstruiert.
Dazu ließ er eigens
Mühlsteine aus Sardinien
importieren und baute die
Mühlen nach seinen Ideen
und Bedürfnissen zusammen.

Rund 40 t Kastanienmehl produziert er pro Jahr für den Verkauf und
die Kuchenherstellung.

Abgefüllt wird das Mehl ebenfalls vor Ort und dann an Bioläden,
Reformhäuser, Konditoreien, Märkte und Supermärkte in Korsika
ausgeliefert.


Eine absolute Köstlichkeit sind Vincensinis
Bio-Konfitüren (50.000 Gläser pro Jahr):
- Kastanienkonfitüren mit Orangenschalen,
- Kastanienkonfitüren mit Rum-Rosinen oder
Vanille,
- Feigenkonfitüren mit Walnüssen,
- Clementinenkonfitüre,
- 3-Zitrusfrucht-Konfitüre
(Orange, Zitrone, Grapefruit) etc.


      
Alle verwendeten Früchte
sind aus kontrolliert
biologischem Anbau und
werden mit Rohrzucker
und selbstverständlich
ohne Konservierungsstoffe
direkt vor Ort verarbeitet
und abgefüllt.


30 Bienenstöcke in den Bergen von San Lurenzu liefern
rund 500 kg Honig pro Jahr, der ebenfalls das Bio-Siegel besitzt und direkt ab
Hof verkauft wird. Dies sind zwar keine großen Mengen, und die Imkerei wird
eher als Nebenerwerb betrachtet, aber es sind gut schmeckende und gesunde
Raritäten.

Nicht zuletzt verdankt Korsika sein berühmtes Kastanienbier "Pietra" der Initiative
von Jean Paul Vincensini. Er hatte seinerzeit die außergewöhnliche Idee, aus
geschroteten Kastanien Bier zu brauen, und der Erfolg gab ihm Recht.

An der Seite seiner beiden Brüder Philippe und Xavier ist Laurent nach Abschluss
seines Studiums in die Fußstapfen seines Vaters getreten. "Aber unsere Arbeit ist
Gemeinschaftsarbeit", betont er, "obwohl jeder seinen speziellen Bereich hat, sind
wir doch alle sehr vielseitig."


Während Vater Vincensini noch über
eine Erweiterung seines Maronen-
Sortiments nachdenkt (Kastanien in
Aqua Vita, kandierte Kastanien), sind
die Söhne erst kürzlich in den "Agro-
Tourismus" eingestiegen.
Sie bieten nun auch selbst organisierte
Bergwanderungen, Rundgänge und
Besichtigungen in der Region an.



Text und Fotos: Sylvia Tari

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